Langes Wochenende!

Wochenende… ist ja gleich wieder. Leider kein langes. Aber heute vor einer Woche! Da freuen wir uns noch: Donnerstag gleich mit Sack und Pack ins Büro, pünktlicher Feierabend, ab zum Haupti und …sssst! auf in den Norden, wenn auch nicht in den ganz hohen. Denn die Reiseleitung hat im Juni nach einer Dienstreise nach Stade befunden, dass dies ein nettes Örtchen wäre, um auch privat ein paar Tage hier herumzubringen. Gedacht, gesagt, getan – und ab!

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Bei Ankunft fühlen wir uns allerdings wie in „Willkommen bei den Sch’tis“: kaum haben wir den Bahnhof Stade verlassen, müssen wir die Schirme hervorfingern, weil sich die Schleusen öffnen. Soll’n dit? Kaum sind die Schirme ausreichend nass, hört es wieder auf. Wir schleppen uns ins „Parkhotel Stader Hof“, breiten uns in der, hüstel, Suite 107 aus und brechen beinahe umgehend nochmals auf:

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Rundgang durch die Gemeinde, Erbeutung eines Abendessens. Letzteres besteht schließlich aus aufgeschnittenen Paprikaschoten, Oliven mit Mandelkernfüllung, trockenen Brötchen, Weintrauben und einem gerecht geteilten Harzer Käse. Anschließend: Schoki, Weinchen, Bierchen, schlafen. Die Betten im Hotel sind übrigens lobend zu erwähnen: wir schlafen seeeehr gut, und wenn ich jetzt noch mein Dinkelkissen und mein Seitenschläferkissen dabei hätte… wär alles perfekt.

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Der Freitag sieht uns gegen 8:30 Uhr zum Frühstück schlurfen; das Buffet ist einigermaßen groß und reichlich bestückt, leidet aber an der Krankheit fast aller Hotelfrühstücke – keine Haferflocken, sondern (wenn auch wenig) gezuckertes Müsli, hartgekochte Eier (auwei: WEICHgekochte Eier – gefäääährlich!), Ananas und Melone im Obstsalat anstelle einheimischen Obstes (wir befinden uns doch immerhin im Herzen des Alten Landes, wo sind die Kirschen, Blaubeeren, Erdbeeren, Brombeeren?). Ich bin unfähig, der Kaffeemaschine Kaffee ohne Kleckerei zu entringen; der Knopf für den Milchkaffee ist nicht aktiv. Der Bauch füllt sich trotzdem (trockene Brötchen sättigen ja z. B. auch); anschließend werden im Gemach dienstliche Telefonate geführt (natürlich NICHT von mir…) und dann geht es zum geplanten sportlichen Event. Schwimmen!

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Wir steuern das „Solemio“ an, müssen uns vor Ort aber entscheiden: Hallenbad (teuerer, 25m-Bahn, dafür warm) oder Freibad (preiswerter, sehr viel leerer, 50m-Bahn, kälter). Wir sind voll die Helden und wählen Freibad. Hier hat jeder eine Bahn für sich, und als wir im Wasser sind, wissen wir auch warum. Ich bin noch nie so fix über die 2000m gefetzt, aber hier – reiner Überlebenstrieb, um dem Erfrieren zu entgehen. Is det kalt! Außentemperatur geschätzte 16°C, das Wasser, hmmm… ist auf jeden Fall nicht nennenswert geheizt. Grrr. Aber wir pflügen unsere Bahnen runter, immer ein Ziel vor Augen: die heiße Badewanne im Hotel und am Nachmittag ein Schälchen Heeßen nebst Tortenkeil in der Altstadt.

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Genauso kommt es dann auch. Wir lassen uns den Nachmittag über durch die Stadt treiben. Der Himmel klart auf, es wird etwas wärmer, und wir genießen den gemütlichen Ort. So schöne Fachwerkhäuser, kleine Gässchen, die Schwinge, die sich im wahrsten Sinne des Wortes durch das Zentrum schwingt. Es gibt einen Liegeplatz für Bötchen, entlang des Kommandantendeichs am Burggraben flattern an Masten die Fahnen der nordischen Länder im Wind. Wir bekiekern ein neues, modernes Wohngebiet („Wohnpark an der Schwinge“) und finden, dass das Wohnen hier eine Option wäre, wenn uns nur jemand eine Wohnung schenken würde. Die Gefahr ist allerdings gering, selbst bezahlen wollen wir det ooch nich, da wir unsere Penunse ja für andere wichtige Dinge eingeplant haben. Tortenkeile! Milchkaffee!  Im „Café im Goebenhaus“ finden wir ein freies Plätzchen. Hunger, und zwar großen! Es werden belegte Brötchen geordert und ein erster Kaffee. Die Tortenauswahl ist schwer: Stade-Torte (mit Creme und Marzipandecke), Blaubeer-Charlotte, Stachelbeer-Sahne-Baiser, Erdbeersahne… oder doch lieber Streuselkuchen? Als wir unsere – höchst leckere übrigens! – Stachtelbeertorte bzw. Blaubeercharlotte veratmet haben, bestellt am Nebentisch jemand Butterkuchen. Der sieht SO gut aus, dass ich am liebsten in die Tischkante beißen möchte, weil ich nicht den (auch noch) gegessen hab. Aber der Wanst ist voll, jede leere Ecke ist tortenbefüllt. Da heißt es, tapfer sein und verzichten.

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Beschwingt starten wir zu einer zweiten Runde durch die Altstadt, genießen die Sonnenstrahlen, die sich nun durch die Wolken schieben, und das entspannte Flair. Auf dem Weg ins Hotel spiegelt sich die Abendsonne in der Schwinge. Das Abendlicht ist ganz weich, kaum zu glauben, dass es gestern noch heftig geregnet hat… Der Freitagabend vergeht wie der Donnerstagabend: auf der Hütte, bei trockenen Brötchen, Oliven, Landkäse, Paprikaschote und anschließend: Schoki, Weinchen, Bierchen.

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Am Samstag strahlt die Sonne. Von einem wolkenlosen Himmel! Was für ein Wetterumschwung. Wir hauen uns ein paar Kalorien im Frühstücksraum hinter und schlüpfen dann in die Radlerklamotten. Es geht auf hoteleigenen Drahteseln Richtung Elbe. Radeln bei diesem Wetter, herrlich! Immer am Elbdeich entlang Richtung Hamburg. Unterwegs gibt’s Knupperkirschen, und der liebe Reiseleiter verdreht vor Wonne fast die Augen. Lecker!

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Ich haue in Brombeeren rein; noch bevor wir wenden und auf die Rücktour gehen, sind die alle dahin, ich habe violette Finger und vermutlich auch violette Zähne (die seh ich ja nicht) von der Brombeernascherei und erinnere mich an die Zeiten, als der Chef mit dem beuligen Riesen-Alu-Topf auf den Gepäckträger seines schönen, altertümlichen Fahrrades geheime Brombeerquellen anfuhr und Berge davon (so schien es mir damals jedenfalls) mitbrachte. Ein Schälchen gezuckerte Brombeeren – ein Fest! (Leider existieren weder Topf noch Fahrrad mehr. Und auch unser lieber Chef… begleitet uns hoffentlich von seiner Wolke aus weiter durchs Leben und freut sich, dass ich mich hier und heute an die Brombeerzeiten erinnere!)

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Wir radeln unverdrossen weiter; die Reiseleitung hat Probleme mit dem Mutti-Fahrrad (andere hatte das Hotel nicht zu verleihen), welches mit einem dieser tollen, tollen Körbchen auf dem Gepäckträger ausgestattet ist. Mindestens 4x semmelt er das Ding runter bei dem Versuch, wie auf seinem heimatlichen (Herren-)Fahrrad auf- und abzusteigen… Bis nach Finkenwerder hinein fahren wir, mittlerweile ist es auch gut warm. Längst sind die langärmeligen Shirts ausgezogen, und wir sind mit kurzen Hosen und Tops unterwegs.

Vom Wendepunkt aus nehmen wir einen etwas anderen Weg zurück, denn auch heute lechzen wir nach… Tortenkeilen! Wir passieren Jork, Cranz, Mittelnkirchen, Steinkirchen… alles sehr schöne Orte. Ich bin nur etwas entsetzt über den Verkehr, der sich durch diese schönen Ortschaften wälzt und bedaure die Leute, die hier wohnen. Det is ja echt schrecklich! Genauso schrecklich ist eigentlich die Einkehr auf dem „Obsthof Matthies“. Ich träume die ganze Tour über vom Romantik-Kaffee im Grünen… und nun liegt der Hof an einer dieser viel befahrenen Straßen, und der Hofladen hat den Charme einer Autobahnraststätte. ABER: Die Damen am Verkauf von Brot und Kuchen bewahren trotz des Touristenandranges (zu dem wir ja auch gehören) die gute Laune und haben für jeden ein Lächeln. Und: die Torten sind sagenhaft gut!

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Wir sitzen immerhin im Schatten eines Baumes und gönnen uns Stachelbeer-Sahne-Baiser (Reiseleitung) bzw. Kirsch-Sahne mit Zimtdecke (ich). OHA! Da können sich die heimischen Tortenkeil-Schmieden echt eine Scheibe abschneiden. SO LECKER!!! Wir fliegen förmlich die letzen Kilometer, so beflügelt uns der Genuss. Am Ende des Tages verbuchen wir ca. 80 Radel-Kilometer. Und… hüstel… zwei hammermäßig verbrannte Buckel.

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Trotz Sonnencreme! Da waren wohl die Arme zu kurz, um den Bereich um die Schulterblätter herum zu benetzen… Egal, jetzt ist es zu spät. Wir aalen uns unter der Hotel-Dusche und haben uns ein schönes aushäusiges Abendessen verdient. Leider wird aus letzterem nichts.

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Wir sitzen zwar gegen 19 Uhr in einem nett gelegenen Restaurant („Amadys“), haben nach 20 Minuten noch nicht mal die Speisekartekarte vor uns, nach 30 Minuten aber immerhin was zu trinken, nach 50 Minuten immer noch nix zum futtern, dafür aber einen Riesenhunger. Eine gute Stunde harren wir aus, bis der Futtertrog für uns gefüllt ist. Leider muss  ich sagen, dass ich selten SO mies gegessen hab. Die Reiseleitung spachtelt einen Salat mit Garnelen, der nach liebloser Kantine aussieht und wenig besser schmeckt. Ich habe mir den „Orient-Express“ bestellt. Der entpuppt sich als kleine Platte mit Gurken-Tomaten-Salat mit geleeartigem Dressing, Sour Creme mit Knobi (die fette weiße Schlempe, die sonst auf Backkartoffeln gepappt wird), höchst ekligen Weinblättern mit Reisfüllung und einer Pampe, die Hummus sein soll, aber undefinierbar schmeckt, auf jeden Fall weder nach Kichererbsen noch Cumin noch Koriandergrün… dominant ist einzig der Zitronensaft. Dazu Ciabatta aus der Packung, schlecht (oder gar nicht) aufgebacken, nicht richtig durchgeschnitten, so dass beim Greifen einer Scheibe der gesamte Brotklumpen aus dem Korb gehoben wird. Ein Teil des Brotes ist mit irgendwas bekleckst, vielleicht flüssiger Kräuterbutter, und fasst sich feucht an. Och nööö. Schlimm ist, dass ich nach unserer Tour so ausgehungert bin, dass ich trotzdem zuschlage. Meine alololfreie Hefe trinke ich allerdings nicht aus, der Appetit ist mir echt vergangen. Das geplante Gläschen Rotwein nehmen wir – im Strandkorb sitzend – im „Pier 1“ direkt neben dem Kino. Wir genießen den Wein mit Blick auf den Burggraben und den Sonnenuntergang und finden es schade, dass das Wochenende so schnell vergangen ist.

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Der Sonntagmorgen hält dann ein unverhofftes Frühstücks-Highlight für uns bereit. Nein nein, es gibt keine weich gekochten Frühstückseier, wo denkt ihr denn hin. Der Milchkaffee-Knopf an der Kaffeemaschine ist zur Feier des Tages aktiv!!! Toll. Wenn das kein guter Tag wird. Zwei Pötte hole ich mir; der hausgemachte ist natürlich besser – aber immerhin…

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Wir starten zufrieden zum Bahnhof und düsen nach Hamburg. Hier verschlendern wir einige wenige Stunden, und ich hadere mit der Tristesse der Speicherstadt und den Wohnkästen am Sandtorkai (wie düster und hässlich!!!). Enttäuscht bin ich von der Elbphilharmonie. Wie sieht DAS Ding denn aus? Tssse. Wieder versöhnt bin ich nach einer Schlenderei an der Norderelbe. Die Sonne strahlt, das Wasser glitzert. Wir stärken uns im „KAISERS“ direkt mit Blick auf das Wasser.

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Wir drehen noch eine kleine Runde und sehen sommerlich gestimmten Menschen beim Eisschleckern zu, bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof begeben. Hier gibt es als Trost vor der Heimfahrt noch eine große Kürbiskernbrezel für mich, einen Frischkäse-Bagel für den lieben Reiseleiter, ein lecker- ungesundes Franzbrötchen zum Teilen und die aktuelle Ausgabe der „Mohltied“, die wir schon von unserer Tour-de-Torte-Reise kennen. Ab in den Süden!

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Und nun? Vorbei. Schön war’s. Mit Wiederholungspotenzial! Tschüss und moin moin!

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