Grüezi (1)

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So ein Wochenende ist immer wieder erstaunlich kurz. Noch viel erstaunlicher ist, was trotzdem so alles in diesen zwei Tagen untergebracht werden kann! Lässt frau dem Wecker am Freitag wie immer gegen 5 Uhr seinen Willen, sind z. B. ein halber Arbeitstag und eine Reise in die Schweiz noch vor Mitternacht zu schaffen. Und das, obwohl die DB – die treue Kundschaft wie uns einfach nicht verdient hat!!! – uns mit hartnäckiger Regelmäßigkeit Knüppel zwischen die Reisebeene schleudert.

Hähä!

Hähä!

11.23 Uhr fährt unser Zug pünktlich los, und die Welt ist noch in Ordnung. Aber schon die Reisegesellschaft hätte uns misstrauisch machen müssen: zwei Eisenbahner aus Süddeutschland labern bis Frankfurt/ Main über die Wechselfälle des Eisennbahnerdaseins… Prompt haben wir erst „Person im Gleis“, dann Weichenstörung, daraufhin eine Umleitung über Darmstadt und schließlich ca. 60 Minuten Verspätung. Anschluss nebst Reservierung im Eimer, Freude unendlich. Ich bin fuchsteufelswild und möchte auf der Stelle umkehren! Wir erklimmen aber doch den nächsten Zug nach Basel; weitere Reisekatastrophen bleiben uns erspart, und 22 Uhr kriechen wir schließlich mit flatternden Augenlidern in Ziegelbrücke aus der Bahn. Unsere lieben Gastgeber sammeln uns auf, verabreichen verbale Streicheleinheiten, handfeste herzhafte Käsetörtchen, ein wunderbares Schlückchen Wein und schokoladige Nervennahrung, bevor wir in die Gästebetten purzeln. Zuvor rettet jeder ein Schoggi-Häseken von seinem Kopfkissen vorm Zerdrücktwerden.

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Der Samstag beschert uns ein Verwöhn-Frühstück mit knusprigen Brödies und Kaffi. Wir Gäste finden auf unseren Tellern einen großen, als Smiley gestalteten Spitzbuben vor. Was das ist? Na ein großer, leckerer Keks mit Marmeladenfülle. Die Reiseleitung schlägt sofort gnadenlos zu und die Zähne in das wehrlose Gebäck. (Ich bringe das nicht übers Herz und daher meinen Smiley mit nach Hause.) Vor meiner Nase tänzelt ein Glas Ovomaltine-Aufstrich hin und her, und ich muss einfach zugreifen. Mmmmpf …schluck… nasch…

Frühstücksmitbringsel

Zum Glück haben wir noch was vor, so dass das Frühstück beendet wird, bevor das Glas alle ist.

Wir schultern unseren überschaubaren Vorrat an Franken, sehen uns zunächst im örtlichen Shopping-Paradies um und beäugen, was sich der Eidgenosse so in den Einkaufswagen legt. Da unsere Tragekapazitäten begrenzt sind, beschränken wir uns auf ein Stückchen Schweizer Käse (Reiseleiter) und, hüstel, auf einen halben Liter Schlagsahne (ich). Denn die Sahne hier hat immer 35% Fettgehalt und lässt sich damit prima aufschlagen – im Gegensatz zur deutschen Magervariante (30% Fettgehalt). Außerdem wandert eine gemeinschaftlich ausgewählte, große Tafel „Myrtilles, Amandes & Noisettes Chocolat noir“ in den Korb.

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Und noch eine Attacke auf unsere Hüften: Wir statten dem praktisch fast um die Ecke gelegenen „Schoggi-Erlebnis Läderach“ einen Besuch ab. „Schoggi“ findet sich reichlich: Vollmich, Bitter, Weiß, geformt, gefüllt, verziert… neben der Kasse steht u. a. ein Probierteller mit zwei ziemlich großen Nugat-Krümeln drauf. Nach Verkostung des ersten kralle ich mir sofort auch den zweiten und möchte danach den Teller abschlecken.

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Schließlich wandert insgesamt ein Pfund (!) Pralinen ins Gepäck: „Le Noir“ – „Truffesmasse mit hohem Kakaoanteil, umhüllt von dunkler Couverture, dekoriert mit einem «Le Noir»-Aufleger“. – sowie „Dobos Spitzen“- mit dunkler Schokolade überzogenes Gebäck. Leggor. Bevor es zu weiteren hochkalorischen Ausschreitungen kommt, flüchten wir. Die Beute wird zu Hause deponiert, und wir brechen zu figurfreundlicheren Aktivitäten auf – auf zum Klöntalersee, auf zum Wandern.

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Vor Ort stellen wir fest, dass Wasser Mangelware ist – es plätschert zwar türkisfarben vor sich hin, aber wir können direkt daneben auf dem mit Trockenrissen übersäten Seegrund spazieren. Erklärung: Das ist ein Stausee, dem man absichtlich Wasser abgezupft hat, um Platz für das nasse Endergebnis der zu erwartenden Schneeschmelze auf den umliegenden Bergen zu schaffen.

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Über eine noch mit wenigen Schneeflecken bedeckte, ziemlich matschige Böschung keuchen wir auf den offiziellen Wanderweg. Links und rechts des Weges Anemonen, Primeln, Pestwurz, Veilchen, Krokusse…

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Die Reiseleitung zeigt beim Fotografieren wie immer vollen Einsatz! Leider endet unser Weg an einer kleinen Brücke, da ab hier wegen Steinschlag- und Lawinengefahr gesperrt ist. Wir wollen nicht risikofreudiger sein als nötig und kehren um, laufen dafür auf der anderen Seeseite noch ein Stückchen die Straße entlang.

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Im Rahmen einer Tröpfelattacke von oben schwingen wir uns wieder ins Auto und werden nach Glarus chauffiert. Das ist wirklich ein hübscher, kleiner und gemütlicher Ort. Und es gibt gleich zwei tolle Sachen auf einmal: ein schönes Café und Sonne!

20150411_154441  Café zur Blume in Glarus

Wir wärmen uns im „Café zur Blume“ an Café crème/ Milchkaffee/ heißer Schokolade auf. Am Nebentisch werden seltsam aussehende Wiener Würstchen zum Kaffee (?) verspeist.

???

Zwecks Lösung des Rätsels schweben auch auf unserem Tisch solche „Würste“ ein und siehe da: es sind gar keine. Sie entpuppen sich als ganz, ganz leckeres Gebäck mit Haselnussfüllung und heißen „Meitschibei“.

Meidschibei (Mädchenbeine)

Essen schaffe ich allein, übersetzen nicht. Dabei braucht die Flachland-Tirolerin natürlich mal wieder Hilfe. „Meitschibei“ bedeutet „Mädchenbeine“, ist doch logisch! Gemein an der Sache ist nur – je mehr „Meitschibei“ frau verputzt, um so mehr entfernt sie sich von der grazilen Form, die das Gebäck vorgaukelt. Ein Teufelskreis!

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Eine kleine Runde durch Glarus, dann hüpfen wir wieder ins Auto. Rasant geht es Richtung Walensee, und auch dort lassen wir die (an diesem Wochenende aber löcherfreien!) Socken ordentlich qualmen. Es geht ein bisschen hügelan bis zur Ruine Strahlegg.

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Hier gibt es einen kleinen Rastplatz, und wer jetzt Steaks dabei hätte, würde sogar die Möglichkeit zum Grillen vorfinden. Wir grillen nicht, sondern knabbern höchst leckere Gastgeber-Kekse, die ganz butterig auf der Zunge zergehen, hmmm, und verkosten im Rahmen der gesunden Ernährung (Obst!)  außerdem Bananen-Schoko-Muffins. Der drohende Hungertod ist vorerst abgewendet, und die Kraft reicht dazu, noch einen Blick auf die Seerenbachfälle zu werfen, bevor wir wieder Richtung Parkplatz streben.

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Immerhin ist es bereits 18 Uhr; wir düsen nach Hause. Und während der liebe Gemahl und ich faul sein und die Abendsonne vom Wohnzimmer aus bewundern dürfen und wir uns außerdem durch Rascheln an unseren Schoggi-Tüten verraten, werkeln unsere Gastgeber fleißigst in der Küche und zaubern ein sehr leckeres asiatisches Veggie-Abendessen (3 Gänge)  auf den Tisch. Das schmeckt fein, und in die Auberginen möchte frau sich am liebsten reinlegen.

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Wir schlürfen ein Sektchen und noch ein Weinchen und wundern uns gemeinschaftlich über die sprachlichen Unterschiede von hier und da und irgendwann nach Mitternacht fallen wir in unsere Betten.

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7 Kommentare zu “Grüezi (1)

  1. Genaustens. Wenn ich mir manchmal so die Bilder ansehe, die die Familienbande so umher schickt, dann haben wir uns aber übermäßig zurückgehalten!

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