Vom Eise befreit… (2)

Aus dem Hotelfenster-1

Ostersonntag. In Brandenburg. In Angermünde. Beim Aufstehen strahlt die Sonne; die Dächer der auf dem hoteleigenen Parkplatz stehenden Autos sind jedoch mit Reif bedeckt. Wahrscheinlich hat der Osterhase sein 2015er Werk mit Mütze und Handschuhen verrichtet. Auf jeden Fall hat er was gebracht!

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Das Frühstück ist eher übersichtlich; das Hotel konzentriert sich wohl auf die zu erwartenden Einnahmen aus dem geplanten Osterbrunch ab 11 Uhr. Dafür sitzen wir im sonnigen Wintergarten und haben immerhin fröhlich-buntes Kahla-Porzellan auf dem Tisch.

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Gegen 9.30 Uhr brechen wir in den klaren, kalten und sonnigen Morgen auf. Heutiges Ziel: Schwedt. Der Weg dorthin wird uns durch den „Nationalpark Unteres Odertal“ führen. Zunächst geht es aber durch die Örtchen Crussow und Schöneberg.

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Unterwegs erneut menschenleere Felder und Wege. Einsamkeit. Ein weiter Himmel, von dem frau an den Trocknungsprozess vorantreibenden Bürotagen sehnsuchtsvoll träumt. Unter dem Blau und den Wolken, die träge dort abhängen, tirilieren entfesselt Lerchen. Hinter Schöneberg entdecken wir das erste blühende und von Bienen umsäuselte Gesträuch.

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Bei Criewen betreten wir dann den Nationalpark. Vorher versuchen wir, im Criewener Eiscafé wärmenden Kaffee und ein Stückchen hausgebackenen Kuchen zu erjagen. Freie Tische gibt’s, aber keine Stühle. Die sind alle belegt mit Hintern, die ihrerseits zu Leuten gehören, die wiederum bestimmt auch schon …zig Kilometer gewandert sind. Wir kapitulieren aus Nächstenliebe, mümmeln jeder einen halben Müsliriegel und ziehen weiter.

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Ab Criewen führt der Weg bis Schwedt den Deich zwischen Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und Ausläufern der Alten Oder entlang. Hier pfeifen nicht nur die Radfahrer an uns vorbei, sondern uns auch ein scharfer Wind um die Nase.

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Trotz forschen Schrittes geraten wir nicht ins Schwitzen und bewundern einen Paddler, der sowohl mit als auch gegen den Wind mit enormer Geschwindigkeit durch das Wasser pflügt. Ansonsten streift der Blick über die überschwemmten Uferwiesen.

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Wir entdecken einen fleißigen Storch, der sich durch das Wasser pickt. Enten und Gänse lärmen. Über uns segeln einige Möwen. Himmel und Wolken spiegeln sich wunderschön im Wasser. Und am Horizont zeichnen sich so langsam die Umrisse von Schwedt ab.

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Wir gelangen über eine schöne kleine Holzbrücke in die Stadt. Uns gelüstet es endlich nach einem heißen Kaffee, aber Schwedt macht es einem da nicht leicht. Das „Le petit Café“, im Internet in höchsten Tönen gepriesen, glänzt mit leeren Fenstern. Schließlich landen wir im „la-di-ner“und sind begeistert, in dem gemütlichen Café noch zwei Plätze ergattert zu haben. Der Schaum auf dem Milchkaffee ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber der Kaffee schön heiß und der Kuchen lecker.

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Anschließend suchen wir unsere Bleibe im „Hotel am Turm“ auf. Das Hotel liegt etwas außerhalb und schon fast im Grünen. Neben dem Hotel der alte, restaurierte Wasserturm, der offenbar auch dazu gehört.

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Mangels Alternativen gibt es Abendbrot im griechischen Restaurant gleich um die Ecke. Nachdem ich ca. 5 cm Zwiebelringe abgetragen habe, kommen tatsächlich die bestellten Speisen – gegrillte Peperoni und gebackene Auberginen – zum Vorschein. Wie „beim Griechen“ nicht anders zu erwarten, recht fettig, aber noch okee. Die Reiseleitung verspeist eine Lammkeule und teilt meine „noch okee“ – Meinung. Anschließend drehen wir eine letzte kleine Runde und bewundern das Abendlicht.

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Das Dessert gönnen wir uns, frisch geduscht und müde, erst in der Herberge.

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Und heute?

Heute die letzte Etappe von Schwedt nach Pinnow. Zunächst durchqueren wir Berkholz. Auf dem eigentlich sehr schönen Weg dorthin haben wir Gelegenheit, eine Auge, ein Ohr und auch eine Nase auf die noch funktionierenden Reste der ortsansässigen chemischen Industrie zu werfen. Alle drei Sinnesorgane werden spürbar bedient. Zum Glück lassen wir diesen Zipfel von Schwedt schnell hinter uns.

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Unter einem zunächst blauen und später ziemlich bewölkten Himmel nehmen wir die letzten Kilometer unter die Sohlen. Der Wind ist auch heute unser Begleiter. Wenig begeistert sind wir, als kurz vor Pinnow der auf unserer Karte eingezeichnete Wanderweg auf einem schlammigen Ex-Maisacker endet. Das gibt unseren Schuhen den letzten Rest.

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In Pinnow angekommen, bleibt noch ein wenig Zeit sich umzuschauen. Das Kirchlein z. B. ist nett und auch der Platz davor. Eine Mischung aus blauem Himmel, Sonne und dunkler werdenden Wolken schafft ein besonderes Licht.

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Auch hier weit und breit keine Menschenseele geschweige denn ein Dorfkrug, der ein Heißgetränk ausschenken würde. Mir ist nämlich ganz schön kalt, da nützt auch die Bewegung nix!

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Schließlich schnauft die Bimmelbahn in den Pinnower Bahnhof, wir steigen ein, und so unspektakulär wie unser Osterspaziergang begonnen hat, endet er auch. Per DB Regio.

Aber wie möchten doch keinen Kilometer missen. Unsere Socken haben ganz schön gequalmt, wie man sieht.

Das erste Paar...

Das erste Paar…

... das zweite Paar!

… das zweite Paar!

Wir bringen sogar ein bisschen Farbe in den Gesichtern mit. Sind auf 94 km unter unseren Sohlen ziemlich stolz. Hoffen, dass das löcherige Gedächtnis nicht zu schnell vergisst. Und sind im Rückblick mehr als einmal mit olle Jöthe einer Meinung:

„… zum Augenblicke dürft‘ ich sagen: Verweile doch, DU BIST SO SCHÖN!“

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